Sommer, Sonne, Badesee – klingt nach der besten Zeit des Jahres. Für deinen Hund kann sie aber schnell zur gefährlichsten werden. Und das oft durch Dinge, die auf den ersten Blick harmlos wirken: eine Pfütze am Wegesrand, ein paar Minuten auf heißem Asphalt oder ein ausgiebiges Bad im See.
Tierärztin Dr. Dominique Tordy kennt diese Fälle aus ihrer Praxis – und manche davon gehen nicht gut aus. Damit dir und deinem Hund das nicht passiert, erklärt sie die fünf häufigsten Sommer-Gefahren. Was du im Ernstfall konkret tun kannst, findest du übrigens mit allen Symptom-Checklisten und Sofortmaßnahmen kostenlos in unserer App.
Stell dir vor, wie viel Durst du nach einer halben Stunde Sport in der Hitze hast. Deinem Hund geht es genauso – und gerade junge, temperamentvolle Hunde nehmen dann das erstbeste Wasser, das sie finden. Selbst wenn ein Hund riecht, dass das Wasser nicht in Ordnung ist: Wenn der Durst groß genug ist, trinkt er trotzdem.
Das Problem: Gerade im Sommer können stehende Gewässer zur tödlichen Falle werden. In Pfützen und Teichen vermehren sich bei Wärme Leptospiren – Bakterien, die von anderen Tieren ausgeschieden werden und bei Aufnahme durch den Mund schwere Organschäden verursachen können. Zwar gibt es eine Impfung, aber die schützt nicht gegen alle Stämme.
Noch gefährlicher sind Blaualgen in Seen und Teichen. Diese Cyanobakterien produzieren Giftstoffe, die die Leber angreifen – ein Schluck aus einem belasteten Gewässer kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden. Das Tückische: Viele Halter bringen die plötzlichen Symptome gar nicht mit dem Baden in Verbindung und vermuten stattdessen eine Vergiftung durch Giftköder. Was du tun kannst, um deinen Hund zu schützen, und woran du gefährliche Gewässer erkennst, erfährst du in unserer App – den Link findest du am Ende des Beitrags.
Eine Geschichte, die Dr. Tordy nie vergessen hat: Während ihres Studiums an der Tierärztlichen Hochschule Hannover kam an einem warmen – nicht einmal besonders heißen – Tag eine große Hündin in den Notdienst. Sie war läufig, also hormonell ohnehin schon belastet, und der Besitzer hatte sie am Fahrrad mitlaufen lassen. Er hatte ihre Belastbarkeit überschätzt. Als die Hündin in der Klinik ankam, lag ihre Körpertemperatur über 40 Grad. Trotz intensiver Behandlung kam jede Hilfe zu spät.
Ein Hitzschlag kann tödlich enden – selbst mit intensivmedizinischer Versorgung liegt die Sterblichkeit bei über 50 Prozent. Besonders gefährdet sind junge Hunde, die sich beim Spielen überschätzen, alte Hunde, die im Schlaf überhitzen, und Hunde mit Gelenkproblemen, die sich nicht mehr rechtzeitig aus der Sonne bewegen können.
Das Heimtückische: Ein Hitzschlag sieht oft aus wie ein Alkoholrausch. Der Hund torkelt, wirkt desorientiert – und der erste Gedanke vieler Halter ist Vergiftung. Dabei ist es etwas ganz anderes. Und ja: Auch ein Auto bei 20 Grad und Sonnenschein kann zur tödlichen Falle werden. Wann du ein Auto aufbrechen darfst, um einen Hund zu retten, was die richtigen Sofortmaßnahmen sind und was du auf keinen Fall tun solltest – das alles findest du in unserer App.
Bei 30 Grad Lufttemperatur kann Asphalt über 60 Grad heiß werden. Dunkle Flächen in der prallen Sonne sogar noch mehr. Das ist so, als würdest du barfuß über eine Herdplatte laufen.
Es gibt im Internet den Vergleich mit einer TikTok-Challenge: Wie weit kannst du barfuß auf heißem Asphalt laufen? Das tun sich nicht einmal Teenager für Klicks an – aber viele Hunde müssen genau das bei jedem Sommerspaziergang aushalten. Und Hunde haben an den Pfoten deutlich weniger Temperaturrezeptoren als wir Menschen – und davon mehr für Kälte als für Wärme. Sie spüren den heißen Untergrund deshalb oft erst, wenn es schon zu spät ist
Ein typischer Fehler, den viele machen: Den Hund kurz vor dem Supermarkt auf dem Parkplatz warten lassen. Dunkler Asphalt, pralle Sonne, kein Schatten – und dein Hund steht, sitzt oder liegt minutenlang auf einer Fläche, die sich anfühlt wie eine Herdplatte. Verbrannte Pfoten bedeuten: Dein Hund muss laufen, obwohl alle vier Pfoten verletzt sind. Das verursacht höllische Schmerzen.
Erster Urlaubstag, dein Hund tobt ausgelassen durch die Wellen. Abends ist er müde, aber glücklich. Am nächsten Morgen hängt sein Schwanz plötzlich schlaff herunter – und er jault vor Schmerzen, wenn du ihn auch nur leicht berührst.
Was viele nicht wissen: Die sogenannte Wasserrute ist eine Durchblutungsstörung der Schwanzmuskulatur, die häufig nach dem Schwimmen oder ausgiebigem Spielen im Wasser auftritt. Besonders Retriever, Labradore und andere wasserbegeisterte Rassen sind betroffen. Die Schmerzen sind enorm – vergleichbar mit einem Hexenschuss beim Menschen. Drei bis fünf Tage kann dein Hund kaum sitzen, schlecht laufen und jede Berührung am Schwanz wird zur Qual.
Und Achtung: Bei Katzen sieht die gleiche Symptomatik oft ganz anders aus. Ein schlaff herunterhängender Schwanz kann hier auf einen Schwanzabriss hindeuten – zum Beispiel durch eine zugeschlagene Tür. Das muss unbedingt tierärztlich abgeklärt werden.
Dr. Tordy hat in ihrer Laufbahn eine Katze kennengelernt, die keine Ohren mehr hatte. Beide Ohrspitzen mussten amputiert werden – wegen bösartigem Hautkrebs, ausgelöst durch wiederholten Sonnenbrand. Es sah ungewöhnlich aus, hat der Katze aber das Leben gerettet. Nicht immer geht es so gut aus.
Besonders betroffen sind helle Tiere mit heller Haut und hellem Fell. Die typischen Stellen: Nasenrücken, Ohrspitzen und bei Hunden mit leichtem Fell und „Scheitel“ auch die Rückenlinie. Kurzfristig verursacht Sonnenbrand starke Schmerzen. Langfristig steigt das Risiko für bösartigen Hautkrebs – genau wie bei uns Menschen. Was viele nicht wissen: Hautkrebs kann sich an diesen Stellen auch entwickeln, ohne dass du jemals einen Sonnenbrand bemerkt hast. Worauf du achten solltest und wie du dein Tier richtig schützt, erfährst du in unserer App.