Dein Hund zittert auf dem Behandlungstisch. Deine Katze faucht, sobald jemand sie anfasst. Für viele Tierhalter ist der Gang zum Tierarzt eine stressige Angelegenheit – für das Tier und für sie selbst.
Aber wusstest du, dass Stress beim Tierarzt oft gar nicht an der Behandlung selbst liegt, sondern daran, wie sie abläuft? Manche Tiere brauchen engen Körperkontakt, andere wollen lieber alles sehen können. Manche mögen es leise, andere entspannen sich bei Hintergrundgeräuschen.
Tierärztin Dr. Dominique Tordy hat dafür ein einfaches System entwickelt: den Wohlfühltyp. Wenn du den Typ deines Tieres kennst, kann die Behandlung gezielt darauf abgestimmt werden – und wird für alle Beteiligten deutlich entspannter.
Jedes Tier reagiert in Stresssituationen anders. Dominiques System erfasst vier Bereiche, die bei einer Untersuchung oder Behandlung den größten Einfluss auf das Wohlbefinden deines Tieres haben. Jede Kategorie hat zwei Ausprägungen – Großbuchstabe und Kleinbuchstabe.
Manche Tiere lieben Körperkontakt während der Untersuchung (K). Sie kuscheln sich an Frauchen oder Herrchen, lehnen sich an deren Brust oder drücken sich an deren Bein. Der enge Kontakt gibt ihnen Sicherheit.
Andere Tiere möchten sich in stressigen Situationen lieber frei bewegen können (k). Körperkontakt fühlt sich für sie einengend an. Das hat nichts mit der Bindung zwischen euch zu tun – es geht rein darum, wie dein Tier Bewegungsfreiheit wahrnimmt.
Beobachte: Sucht dein Tier bei dir Schutz und drückt sich an dich? Oder weicht es eher aus und will sich frei bewegen?
Einige Tiere fühlen sich sicherer, wenn sie alles sehen können, was um sie herum passiert (S). Sie beobachten jeden Handgriff und werden unruhig, wenn sie nicht mitbekommen, was geschieht. Vergleichbar mit Menschen, die bei der Blutabnahme lieber hinschauen.
Andere Tiere bevorzugen es, den Kopf zu verstecken (s) – unter einem Handtuch, unter dem Arm oder in einer Decke. Weniger sehen bedeutet für sie weniger Angst. Wie Menschen, die bei der Blutabnahme lieber weggucken.
Beobachte: Dreht dein Tier den Kopf zur Untersuchungsstelle und schaut hin? Oder versucht es eher, den Kopf wegzudrehen oder zu verstecken?
Manche Tiere haben einen kurzen Geduldsfaden, der sich auch nur langsam regeneriert (z). Bei diesen Patienten ist es am besten, die Untersuchung vorher genau zu planen und dann ruhig und zügig ohne Unterbrechungen durchzuziehen. Die eigentliche Behandlung geht dann relativ schnell – die Planungszeit fällt dafür etwas länger aus.
Andere Tiere brauchen zwischen den einzelnen Untersuchungsschritten Pausen (Z). Sie erholen sich besser, wenn sie sich zwischendurch kurz im Raum bewegen dürfen. Die Behandlung dauert dann insgesamt etwas länger, ist aber deutlich entspannter.
Beobachte: Wird dein Tier bei längeren Untersuchungen zunehmend unruhig und ungeduldiger? Oder bleibt es ruhig, solange es zwischendurch kurze Pausen bekommt?
Einige Tiere – besonders oft Katzen – mögen Stille (g). Jedes Geräusch in der Umgebung lenkt sie ab, macht sie nervös und muss erst verarbeitet werden. Bei diesen Patienten sollte man während der Behandlung möglichst leise sein und wenig sprechen.
Andere Tiere sind dankbar für eine gleichmäßige Geräuschkulisse (G). Ruhige Unterhaltung oder leise Musik im Hintergrund verschluckt die unbekannten und bedrohlich klingenden Geräusche der Praxis. Das gibt ihnen Sicherheit. Im Zweifel erzählt man sich dann halt das Märchen von Hänsel und Gretel, wenn einem gerade nichts anderes einfällt.
Beobachte: Zuckt dein Tier bei jedem kleinen Geräusch zusammen? Oder entspannt es sich eher, wenn eine gleichmäßige Unterhaltung im Raum läuft?
Der Wohlfühltyp setzt sich zusammen aus der Tierart (H = Hund, K = Katze) und den vier Kategorien. Zwei Beispiele:
Beispiel 1 – Typ H-KsZG: Ein Hund, der viel Körperkontakt sucht (K), am liebsten den Kopf unter dem Arm versteckt (s), zwischen den Untersuchungsschritten Pausen braucht (Z) und es mag, wenn man sich dabei unterhält (G).
Beispiel 2 – Typ K-kSzG: Eine Katze, die lieber nicht festgehalten werden möchte (k), bei allem zusieht (S), die Geduld verliert, wenn es zu langsam geht (z), und eine ruhige Geräuschkulisse im Hintergrund schätzt (G).
Was für ein Typ ist dein Tier? Beobachte dein Tier beim nächsten Tierarztbesuch – oder noch besser: Finde es vorher heraus und teil es deinem Tierarzt mit. So kann die Behandlung von Anfang an auf dein Tier abgestimmt werden.
Wenn wir wissen, was ein Tier braucht, können wir die Behandlung genau darauf abstimmen. Das ist ein wichtiger Teil dessen, was wir im Pet Care Center unter Medical Training verstehen: Nicht nur das Tier an die Behandlung gewöhnen, sondern die Behandlung an das Tier anpassen.
In unserer Coaching Area kannst du mit deinem Hund oder deiner Katze an echten Medizingeräten üben – und dabei herausfinden, welcher Wohlfühltyp dein Tier ist.